Unternehmensrisiko Altersversorgung

 

Es erstaunt mich immer wieder, wie Unternehmer plötzlich zu Versicherungsunternehmen werden und sich unkalkulierbare Risiken aufbürden.

Dabei geht es ganz einfach: Irgendwann sitzt man mit einem Versicherungsmakler, einem Versicherungsvertreter oder dem Steuerberater zusammen und man unterhält sich über die Senkung der betrieblichen Steuerlast. Und schwuppdiwupp redet man über die betriebliche Altersversorgung und richtet etwas ein. Zum Beispiel eine Pensionszusage für den Chef oder die leitenden Mitarbeiter, eine arbeitgeberfinanzierte Direktversicherung als Instrument zur Mitarbeiterbindung oder Motivation. Vielleicht auch eine Pensionskasse oder eher seltener die Unterstützungskasse.

Da geht auch alles ganz gut, wenn da nicht zwei Risiken wären

  1. Jemand will tatsächlich Geld aus der betrieblichen Altersversorgung sehen.
  2. Das Versicherungsunternehmen geht in die Insolvenz bzw. schüttet nichts mehr aus.

 

Schauen wir mal Fall 2 genauer an. Die Mannheimer Lebensversicherung AG investierte zu früh in Aktien und musste massive Abschreibungen vornehmen. Daraufhin wurde die notleidende Gesellschaft 2003 von der Protektor AG übernommen und zahlt bis heute den für die Laufzeit vereinbarten Rechnungszins aus. Gemeinhin redet man vom Garantiezinssatz, die Verordnung über die Rechnungsgrundlagen für Deckungsrückstellungen kennt diesen Begriff jedoch nicht.

Die Finanzkrise, in den USA durch Immobilienkredite ausgelöst wurde, bringt uns niedrigste Zinsen. Die ersten Versicherungsunternehmen haben bereits ihr Neugeschäft in kapitalbildenden Lebens- und Rentenversicherungen eingestellt. Wie lange wird es noch dauern, bis die Gesellschaften den Höchstrechnungszins nicht mehr erwirtschaften können?

Eine Übersicht über die deklarierte Überschussbeteiligung finden Sie in der Wirtschaftswoche.

Erstaunlich, oder?

Noch einmal Zahlen, Daten und Fakten aus dem Jahresbericht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BaFin):

  • Das arithmetische Mittel der deklarierten Gesamtverzinsung für die kapitalbildende Lebensversicherung liegt für 2010 bei 4,1 %.
  • Die Zinsgarantien der Lebensversicherungen werden nach einer Erhebung der BaFin vom Herbst 2009 mit 3,4 % angegeben.
  • Die durchschnittliche Nettoverzinsung in 2008 lag bei 3,4 %, in 2009 bei 4,2 %.
  • Zehnjährige Bundesanleihen wurden von der deutschen Finanzagentur, die die Schulden des Bundes verwaltet, am 18.08.2010 zu 2,37 % ausgegeben. Quelle FTD.

 

Was wir auf jedem Fall sehen, ist das die Lebensversicherungsgesellschaften weniger Erträge erwirtschaften und damit auch weniger an die Versicherten ausschütten können.

Risiko Leistungszusage

 Oft findet man die Leistungszusage in der betrieblichen Altersversorgung. Darin verspricht ein Unternehmen einem Mitarbeiter eine bestimmte Geldleistung in Form der Rente oder Einmalzahlung. Meistens wird das benötigte Kapital über Lebens- oder Rentenversicherung angespart.

Aber was vereinbart man? Der vorsichtige Kaufmann nimmt die vertraglich vereinbarte Leistung und erhöht die Rente oder die Kapitalauszahlung hinterher um die von den Versicherungsgesellschaften erwirtschafteten Überschüsse.

Der Wettbewerb im Versicherungsvertrieb funktioniert aber anders. Wer den niedrigsten Preis für das Absicherungspaket anbietet, erhält den Zuschlag. Dann müssen die Überschussbeteiligungen eingerechnet werden.

Ich kann mich eigentlich nur an sinkende Zinsen und sinkende Überschussbeteiligungen erinnern. Höhepunkt waren um die acht Prozent Verzinsung für Lebensversicherungen, die in Hochrechnungen ausgegeben wurden. Wenn man so eine betriebliche Altersversorgung mit Leistungszusge hat, ist man jetzt natürlich in der Klemme.

  • Die Prognose bei Abschluss des Vertrages und heutige Hochrechnung der Ablaufleistung deckt sich überhaupt nicht mehr.
  • Die Lebenserwartung ist gestiegen. Private Rentenversicherungen und betriebliche Rentenrückdeckungsversicherungen reagierten mit Kürzungen auf den Anstieg der Lebenserwartung.
  • Eine Auslagerung auf einen externen Träger ist im Mittelstand eine kostenintensive Angelegenheit. Die Differenz im Soll-Ist-Vergleich muss nachfinanziert werden.

 

Ich empfehle Ihnen, mit Augenmaß und vor allem viel Ehrlichkeit der Sache zu begegnen. Viel steht auf dem Spiel und wenn Sie Unternehmer sind, vor allem viel Vertrauen Ihrer Mitarbeiter. Bei der Moderation des Prozesses unterstütze ich Sie gern.

Ihr

John Persch

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Offener Brief an die ev. Kirche in Heidelberg

Sehr geehrte Frau Dekanin Dr. Schwöbel,

zwei Artikel in der Rhein-Neckar-Zeitung und ein großes Problem. Zuerst einmal haben Sie natürlich Recht, die Stadträte über das soziale Engagement zu informieren. Tue Gutes und rede darüber ist guter Brauch. Aber 170.000 Euro Defizit schreckt natürlich doch auf.

Mich erinnert dieser Vorgang an die Geschichte, in der Pharao von sieben fetten Kühen träumt, die von aus dem Nil steigenden mageren, hässlichen Kühen aufgefressen werden. Joseph, der Fremde, deutet den Traum des Pharaos, dass auf die jetzigen sieben fetten Jahre sieben magere folgen werden. Der Pharao setzt daraufhin Josephs als Verwalter über Ägypten ein (Genesis 41 ff.)

Leider beobachte ich bei Kirchen, dass die sieben fetten Jahre nicht genutzt wurden. Plötzlich steht man vor dem Beginn der „mageren“ Zeit. Ihr Amtsleiter Rainer Wolf wird mit „Wenn wir nichts verändern, dann sind wir bald nicht mehr handlungsfähig!“ zitiert.

Hektik bricht aus. 170.000 Euro pro Jahr müssen gespart werden, sonst ist in zehn Jahren ein Defizit von 1.700.000 Euro angehäuft worden. Ohne Zinsen, schon zum ersten Mal falsch gerechnet. Müssen Kredite her, beläuft sich das kumulierte Defizit bei sechs Prozent Zinsen auf 2.250.000 Euro.

Bei einer Gemeinde, ungleich kleiner als der Ihrigen, habe ich Anfang des Jahres ein Ungleichgewicht zwischen Einnahmen und Ausgaben festgestellt. Innerhalb kürzester Zeit ist es mir gelungen, den Budgetansatz der Ausgaben im aktuellen Jahr um 23 % zu unterschreiten. Dort ist man nicht auf Rosen gebettet, aber arbeits- und zukunftsfähig.

Wenn ich an Ihrer Stelle wäre, würde ich die Kameralistik durch die kaufmännische Buchführung ablösen. Danach können Sie die Kostenarten-Rechnung und die Kostenstellen-Rechnung einführen. Ein vorwärts gerichtetes Controlling und eine rollierende Finanzplanung über drei, zwölf und 24 Monate etabliert sich dann schon fast von selbst.

Transparenz herstellen ist der erste Schritt. Welche Strategien und Visionen verfolgen Sie für die nächsten Jahre? Wo sind die Ausgaben zu hoch? In welchem Projekt muss zuerst gearbeitet werden?

Kostensenkung in der Kirche ist immer ein heikles Thema. Meistens wird darunter das Streichen von Arbeitsplätzen verstanden. Ihr Amtsleiter benutzt das böse Wort „Personaleinsparung“. Aber Angst lähmt Menschen, sie beflügelt nicht.

Ich bevorzuge andere Möglichkeiten, z.B. Lean Six Sigma. Lean macht Prozesse schneller, Six Sigma verbessert Prozesse.Über die fundierte Projektauswahl (Project Selection) werden die Prozesse angegangen, in denen das meiste Potential liegt.

Q+ systematisiert mit Problemdefinition und Lösung - wirkungsvoll

Und das Beste ist: Die Hektik weicht zielgerichtetem Arbeiten und es entstehen wertvolle Freiräume für Gespräche, das Nachdenken und die Führung der Kirche.

Ich wünsche Ihnen Gottes Segen beim Gelingen dieser schwierigen Arbeit.

Herzlich,
John Persch